BDA-Preis Sachsen 2013
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Laudatio zum Architektur-Preis des BDA Sachsen 2013

Ich freue mich sehr Sie alle hier im Blockhaus, in unserer Landeshauptstadt Dresden. begrüßen zu können. Die Neustädter Wache wie das Blockhaus erhielt seinen Namen vermutlich aus zwei Gründen, und zwar wegen seiner würfelähnlichen Bauform und wegen seiner ursprünglichen Nutzung als Kontroll- und Zollstation., Es wurde 1732 bis 1737 nach Plänen von Zacharias Longuelune errichtet. In diesem Haus unterzeichneten im Verlauf des Siebenjährigen Krieges am 4. September 1759 die Preußischen Truppen ihre Kapitulation, woraufhin Dresden von den Österreichern besetzt wurde. Nach ihrem Ausbrennen in der Bombennacht wurde dieses Gebäude nach seinem Rekonstruktion ende der Siebziger 1980 als Restaurant „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ wiedereröffnet. Gemäß einer Zweckbindungsklausel beim Kauf Verkauf des Bundes an den Freistaat wurde das Blockhaus seither für Veranstaltungen der Landesregierung genutzt, zudem haben darin die Sächsische Akademie der Künste, die Außenstelle Dresden der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt ihren Sitz. Das ist der Zeitpunkt in meiner Rede wo ich im Namen meines Vorstandes der Sächsischen Akademie und dem SIB für die zur Verfügungstellung dieser Räume recht herzlich danken möchte.

Nun heute habe ich als Landesvorsitzende des BDA Sachsen zum 2.mal in dieser Funktion die schöne und ehrenvolle Aufgabe die Preisträger des BDA Architekturpreis Sachsen des mittlerweile 8 seit seiner Wiedergründung, vorzunehmen.
Der BDA-Preis, das kann man mit Fug und Recht behaupten ist eine unserer erfolgreichsten Bestrebungen, auf die Potentiale der Architektur im Land aufmerksam und neugierig zu machen und über die Landesgrenzen zu tragen, er ist national der bedeutendste, Die im Wettbewerb stehenden Bauten zeigen erneut, dass sich Sachsen, was zeitgenössische Architektur betrifft, aber auch sein Umgang mit historischer Bausubstanz, seinen Denkmälern und damit seiner Geschichte überall bestens sehen lassen kann.

Wir als Architekten sind der Gestaltung der Umwelt verpflichtet. Im Mittelpunkt von Planen und Bauen steht das Herstellen neuer Wirklichkeiten als Referenz und Berücksichtigung zum Vorhandenen. Es geht um Erhaltung der Qualität gebauter Umwelt und die Fortentwicklung von Räumen von und für den Menschen. Gerhard Matzig von der süddeutschen Zeitung vor drei Jahren Preisrichterkollege sprach mal von seinem Anspruch an ein groszartiges Haus:„...oben ein Dach, darunter die Wände – und in den Wänden Löscher zum Durchgehen und Hinausschauen...“ Einfach nicht? Er sprach nicht von Architektur, oder meinte er sie doch? Meinte er das einfache, das heute offensichtlich so schwer zu machen ist. „Gemeint ist nicht das immer Höher, Gröszer, Weiter, einer der olympischen Disziplin folgenden Investorenarchitektur. Gemeint ist nicht das immer schräger, spektakulärer, überdrehter des Stararchitekten(un)wesens. Gemeint ist nicht das Artifizielle, gemeint ist das existienzielle“ fand ich bei ihm. „Irgendwo in der Welt wird bald mal ein verbleichender Stararchitekt seinem Nachwuchs im Büro, oder an der Uni enthüllen – Hochhäuser kann man auch senkrecht bauen.“ So ähnlich schrieb Roland Simpel in seiner Kolumne im DAB letzten Jahres beim reflektieren Hadi Teheranis tanzendes Paärchen auf der Reeperbahn oder CoopHimmelblaus verdrehte, verkeilte und verknotete europäischer Zentralbank. Gebäude sind oftmals Markenprodukte, vergessen das Konzept von Architektur als erstarrte Musik, wie es Schelling so wunderbar formulierte. Sie sind eher ein erstarrter Werbeslogan ein selbstverliebter „kerbflash“ ( Tom Wolfe). Offenbar soll es so wahrgenommen werden, entsprungen einer Welt die sich an den Wirkungsmechanismen der Medien orientiert für eine Welt, die nicht irritiert werden möchte, dass Bauen Architektur sein könnte, jenseits des „ästhetischen Schlachtenlärms“ unserer Zeit.

Gebäude die dafür gebaut werden, gesellschaftliche Identitäten zu konstruieren, rückwärtsgewandte Identitäten, die als Korrekturen der Geschichte und Heilung gepriesen werden, über die großen Brüche und Katastrophen unserer Geschichte hinweg ( Adrian von Buttlar ) als zukunftsweisendes Symbol Deutschlands im 21. Jahrhundert als Orte für unser neue Selbstauffassung

Was ist nun Architektur, von dem sich gegenwärtig der Baubetrieb und auch das moderne Bauen fast nahezu entzieht. Im Grunde unternimmt man, wie Günter de Bruyn meint, alles um die Architektur abzuschaffen. Trotzdem und da weist er zu recht darauf hin, gibt es weiterhin groszartige Bauten, die wie Leuchttürme aus der grauen gesichtslosen Masse sich erheben, Rettungsinseln im Meer der Trivialitäten. „Architektur heute,...muss man als eine Flaschenpost beschreiben, die sich dem Urteil unserer Zeit entzieht in unscheinbaren Gebilden, worin Botschaften eingeschlossen sind für kommende Generationen, die wieder zur Architektur zurück finden und darum wissen wollen, welches ihre Fundament sind...“( Günter de Bruyn )
Diese Architektur zu schaffen ist ein existenzieller Kampf. Ohne seine gesamten Kräfte und all seine Erfahrungen in den Ring zu werfen, ist der Architekt nicht in der Lage ein Werk zu schaffen, das Menschen in ihrem Wesen berührt. Er muss die Wünsche seines Bauherrn mit seinen Mitteln vereinbaren, die Verortung des Entwurfes realisieren, es ist im gegenwärtig das die Umsetzung seines Entwurfs im Spannungsfeld technischer und wissenschaftlicher Auflagen steht, er beansprucht die Materialien bis an ihre Grenzen, er inszeniert virtuos Licht und Schatten und überprüft immer wieder die Knappheit des Ausdrucks. Ein Kampf den ein Architekt einsam ausficht, den er nicht formulieren darf, nicht mit ästhetischen Gründen rechtfertigen.

Architektur kann nicht den Himmel auf Erden schaffen, aber Architekten können menschliche Städte, menschliche Häuser bauen. Dieser Satz prägte einmal Johannes Rau. Der BDA vereinigt ca. 4500 berufene Architekten Deutschlandweit, die als Freiberufler eigenverantwortlich und unabhängig ihre Leistung erbringen.

Bernhard Below, Architekt schrieb am Abend des 21.Juni 1903 aus Frankfurt an seine 12- jährige Tochter Dodo:
„Ich habe eben den Bund Deutscher Architekten gegründet, der hoffentlich für immer bestehen bleiben wird“. Dem Kölner Bauinspektor war die historische Tragweite des Unterfangens offenbar bewusst:
Auch nach 110 Jahren gibt es den BDA – und er hat sich in diesem mehr als einem Jahrhundert zur prägendsten Architektenvereinigung in Deutschland entwickelt.
Bis heute ist die Basis des öffentlichen Eintretens des BDA für ideelle architektur- und berufspolitische Ziele bilden - eine gemeinsame Grundhaltung und die persönliche Verbundenheit der Mitglieder untereinander. Der Bund Deutscher Architekten BDA fördert die Qualität des Planen und Bauens in Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt.

Der Architekturpreis des BDA- Sachsen wird mit dem Ziel vergeben, den Anspruch der Architektur der in den letzten Jahren errichteten und revitalisierten Gebäude und städtebaulichen Anlagen als Ausdruck des kulturellen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses zu begreifen.
Er soll dazu beitragen, das öffentliche Bewusstsein für die qualitätsvolle Gestaltung unserer Umwelt zu schärfen und Maßstäbe in der Architekturentwicklung zu setzen.
Diese Auszeichnung gilt der gemeinsamen Leistung und dem persönlichen Engagement von Bauherrn und Architekten. Sie besteht aus einer am Objekt anzubringenden Plakette und je einer Urkunde.
Die Preisträger nehmen als sächsische Delegierte an dem großen bundesweiten Wettbewerb der Wettbewerbe zur Verleihung der Nike teil.

Die Jury des 8.BDA Architekturpreis Sachsen 2013 wählte aus 43 Arbeiten 7 Arbeiten für 2 Kategorien jeweils gleichrangig aus. Wohl war, kein leichtes Unterfangen in Anbetracht der ungemeinen Dichte an Qualität in diesem Jahr, die verschiedensten Themen in unterschiedlichen Dimensionen,
Ihre suche nach geeigneten Antworten auf Probleme und Besonderheiten des Ortes, der Funktionen, des Ausdrucks.


Die Jury
Prof. Jörg Springer, Architekt BDA, Berlin
Prof. Manfred Ortner, Architekt, Wien
Amber Sayah, Architekturkritikerin Stuttgarter Zeitung

haben in der letzten Woche an 2 Tagen viel diskutiert, leidenschaftlich gestritten, Objekte besichtigt, abgewogen und sind in Ausscheidungsrundgängen zu einem Urteil gelangt. Kriterien waren nicht nur die Vitruv`schen klassischen Kategorien wie:
- funktionale Tauglichkeit
- richtige Technik
- Schönheit ( Regeln der Proportion )
Sondern auch solche Fragen:
- Wie nachhaltig ist die Architektur? 
- Ist das Gebäude in Struktur, Bauweise, Materialwahl und Gestalt angemessen bezogen auf die Funktion, die es erfüllen soll?
- Zeigt es Achtung vor der Geschichte?

Wir haben uns von einem Zitat Oswald Mathias Ungers leiten lassen, ein Zitat aus seinem Berufungsvortrag 1963 an der TU Berlin:

Ein Architekt kann technisch noch so versiert sein, er kann gut funktionierende Details erfinden, er kann sich noch so viele technische Details ausdenken, seine Bauten in den wertvollsten Materialien ausführen und seine Fassade broncieren oder gar vergolden, wenn er nicht in der Lage ist seinen Werken einen künstlerischen Ausdruck zu verleihen und ein Erlebnis seiner Phantasie zu vermitteln – mit anderen Worten – seinen Bauten einen geistigen Inhalt zu geben, so wird er zwar ein handwerklich sauberes und gutes, aber ein banales Haus bauen.

Die gezeigten Gebäude, Gestaltungen machen darauf aufmerksam, dass Architekten bemerkenswerte Lösungen für die Belange der Gegenwart anzubieten haben und mit ihren eigenen Beiträgen auch etwas über unsere Zeit aussagen bzw. an nachfolgende Generationen übermitteln.

Ich würde mich freuen, wenn Sie an einigen dargestellten Objekten verweilen, zu lesen beginnen und Fragen stellen. Die Ausstellung mit den Bildern und den Texten wird diese nur ansatzweise beantworten können. Also könnte der Wunsch entstehen sich auf die Reise zu machen, um das eine oder andere Bauwerk real zu sehen, Vielleicht klingeln sie sogar, um einen Blick nach Innen zu erbitten. Dann entsteht vielleicht ein Gespräch und Architektur fängt an zu sprechen. So beladen mit Anschauungen und Eindrücken entstehen neue Fragen. Sie können auch den Architekten um Rat fragen und seine Antworten werden nicht alles beantworten.
Baukultur wächst nur in der Anschauung der Bauwerke und in der Begegnung mit den Bauherrn, den Nutzern und den Architekten.

Tue gutes und rede darüber.
Wie schon bei den letzten 2 Editionen zu den Preisen 2004 und 2007 haben wir uns auch dieses mal wieder für das herum erzählen via Postkarten entschieden. An 570 Stellen im Land von der Szenekneipe bis zur Semperoper verteilen wir in den nächsten Wochen ca. 90.000 Karten. 3. Preise und 7. Anerkennungen ergeben 10 Motive zu guter Architektur, zum Sammeln, zum Verschicken, zum darüber reden und hoffentlich zum Nachdenken

Bauen bedeutet Optimismus. Es ist der Glaube an die Zukunft, der sich hinter einem Bauentschluss verbirgt. Bauen heißt positiv denken, nach vorne sehen, Zukunft wollen,. Wollen wir die Zukunft gewinnen, müssen wir bauen. Diesen Optimismus wünsche ich Ihnen und uns und der Ausstellung und den folgenden in Leipzig, Chemnitz und weiteren Orten viele Aufmerksamkeit, viele Besucher.

Ich danke meinem Landesvorstand für die Gesamtdurchführung, Werner Bauer für die Betreuung der 2 Tage und Martin Gebauer für die umfangreiche Vorprüfung.


Aufgestellt und gehalten am 01.03.2013:
Prof.i.V. Ronald R. Wanderer, Landesvorsitzender des BDA in Sachsen

Preisträger des BDA-Preis 2013

PREISE: 

Amtsgericht Dresden
Architekt: Pussert Kosch, Dresden
Bauherr: Freistaat Sachsen, vertr. durch das SIB NL Dresden I

Schutzhütte Tellerhäuser
Architekt: AFF Architekten, Berlin
Bauherr: Privat

 

ANERKENNUNGEN:

Wirtschaftsgebäude Forstbezirk 14, Eibenstock
Architekt: atelier st, Leipzig
Bauherr: Freistaat Sachsen, vertr. durch das SIB NL Zwickau 

Schloss Rochlitz – Sanierung Fürsten- und Querhaus
Architekt: Pfau Architekten, Dresden
Bauherr: Freistaat Sachsen, vertr. durch das SIB NL Chemnitz 

Garage in Holzstapelbauweise, Marienberg
Architekt: Reichel Schlaier Architekten, Stuttgart
Bauherr: Fam. Scheffler 

Sporthalle Franz-Mehring-Schule, Leipzig
Architekt: schulz & schulz, Leipzig
Bauherr: Stadt Leipzig 

Sanierung und Depot – Neubau Albertinum Dresden
Architekt: Staab Architekten, Berlin
Bauherr: Freistaat Sachsen, vertr. durch das SIB NL Dresden I 

Der Landesverband Sachsen dankt für die Unterstützung:

carpet concept

Prefa

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FSB

Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Schüco

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